Gelderland MVZ

„Mit leichtem Gepäck“

18.05.2017
Nachtwanderung zur Echternacher Springprozession

Mit Schirmen und Kapuzen ausgerüstet, war das Regenwetter für die Teilnehmenden unproblematisch.

Aach/Echternach. Auch in diesem Jahr fand an Pfingsten die Springprozession in Echternach statt – ein Ereignis, zu dem immer wieder viele Menschen aus Ländern wie Deutschland, Frankreich und Luxemburg reisen. Seit 2010 ist die Springprozession ein »immaterielles Kulturerbe der Menschheit« ausgezeichnet durch die UNESCO. Rund 8.300 Menschen pilgerten nach Echternach, darunter auch die Jugendlichen und Mitarbeitenden des Hauses auf dem Wehrborn. Damit der Ausflug auch in diesem Jahr zu einem vollen Erfolg wurde, planten die pädagogische Leitung sowie der Arbeitskreis Religionspädagogik den organisatorischen Rahmen und die inhaltliche Gestaltung. Unter dem Motto „Mit leichtem Gepäck“ pilgerten die Jugendlichen mit ihren Begleitern vom Haus auf dem Wehborn nach Echternach, um sich der Springprozession, der sogenannten EUREGIO, anzuschließen. Eine Einführung zum diesjährigen Motto erhielten die 45 Jugendlichen und 13 Erwachsenen am Abend des Pfingstmontags in der Kirche des

Hauses auf dem Wehrborn. Auf der 18 km langen Strecke zwischen Aach

und Echternach gab es verschiedene Stationen mit unterschiedlichen Aufgaben zum Motto, die die Teilnehmenden zu bewältigen hatten. Die erste Station stellte die Jugendlichen gleich vor eine Herausforderung, der sie sich mit Begeisterung und Interesse stellten. Jeder Einzelne hatte die Aufgabe, über sein eigenes Leben nachzudenken und sich über seinen Ballast bewusst zu werden. Mithilfe des bildhaften Symbols eines überquellenden Koffers veranschaulichten die Organisatoren die Aufgabe und vereinfachten so die Problematik. Nach der ersten, 8 km langen Etappe trafen sich die Teilnehmenden zur zweiten Station in der Kirche in Ralingen. Hier hatte jeder noch einmal die Möglichkeit, sich Gedanken zum Impuls der ersten Station sowie zu Verletzungen des eigenen Lebens zu machen, um herauszufinden, was sich unter dem Chaos im Koffer verbirgt. Diese tiefgründige Fragestellung forderte vor allem die Jugendlichen, so dass nicht nur Besinnung und Ruhe, sondern auch Unruhe und Ablenkung Teil der zweiten Station waren. Auch auf der Wegstrecke zur dritten Station sollten sich die Teilnehmenden mit dem Motto – inspiriert durch Impulsfragen – auseinandersetzen. Gab es besonders während des Impulses einige Widerstände der Jugendlichen, so wurde unterwegs sichtbar, dass das Thema in den Gedanken der Teilnehmenden nachwirkte. Ausgehend von diesem Prozess ermöglichte die dritte Station in Minden den Jugendlichen und ihren Begleitenden sich zu verabschieden bzw. loszulösen von schmerzhaften, unschönen Erfahrungen, um so neu anfangen zu können – mit etwas leichterem Gepäck. Die Jugendlichen fanden sich, trotz Müdigkeit, gut in die Methode ein und beteiligten sich. Neben einer kleinen süßen Stärkung gab es ein Armband-Kreuz als Zeichen der Befreiung von dem Lebensballast. Aufgrund der fehlenden Zeit wurde die vierte Station in gekürzter Fassung angegangen: Der eigens von der Schreinerei und Malerei hergestellte

Pilgerstab, der abwechselnd von den Jugendlichen getragen wurde, wurde von den Teilnehmenden mit Stofffetzen behangen, die für einen besonderen Wunsch der Teilnehmenden stehen sollten. Die letzte Etappe von Echternacherbrück nach Echternach in die Basilika begleitete der Pilgerstab die Teilnehmenden. Dort angekommen, nahmen die Jugendlichen sehr müde, aber stolz am Jugendgottesdienst teil, der ebenfalls unter dem Motto „Mit leichtem Gepäck“

vom Trierer Bischof Stephan Ackermann feierlich gestaltet wurde. Im Anschluss an den Jugendgottesdienst stärkten sich die Teilnehmenden mit Kaffe, Tee, Brötchen und Croissants und nutzten die Pause, um sich auszuruhen, denn die schlaflose Nacht steckte allen sichtlich in den Knochen. Ab 9:00 Uhr war es dann soweit, die Jugendlichen versammelten sich zur Springprozession im Abteihof. Vor den Augen der Zuschauenden und im strömenden Regen sprangen über 8.000 Pilger durch die Echternacher Innenstadt. Bemerkenswert war, dass die Jugendlichen sich nicht vom Wetter und der vielen Anstrengungen überwältigen ließen. Am Ende der Prozession waren Erschöpfung, Müdigkeit, aber auch ein gewisses Maß an Stolz und innerer Ruhe, was nicht zuletzt durch die gleichförmige Bewegung des Springens bedingt war, den Teilnehmenden ins Gesicht geschrieben. Zum Abschluss gab es ein Mittagessen auf dem Wehrborn, bei dem alle Erfahrungen noch einmal lebhaft miteinander geteilt wurden.

 

Text: Thomas Herrig, Foto: Manfred Götz

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